Langeweile - Übel oder Chance?



Langeweile entsteht aus dem Gefühl der Eintönigkeit und der Untätigkeit. Kinder fühlen sich fehl am Platz und nicht ausreichend ausgelastet. Das kann verschiedene Ursachen haben. Wird die Langeweile chronisch und findet ein Kind ganz plötzlich an einstigen Lieblingsbeschäftigungen oder Freundschaften kein Interesse mehr, sollten Eltern gemeinsam mit den Kindern die Ursachen finden.



Was ist Langeweile?

Der Duden definiert Langeweile:

„Als unangenehm, lästig empfundenes Gefühl des Nicht-ausgefüllt-Seins, der Eintönigkeit, Ödheit, das aus Mangel an Abwechslung, Anregung, Unterhaltung, an interessanter, reizvoller Beschäftigung entsteht.“

Langeweile klingt zunächst einmal harmlos. Jeder Mensch kennt Phasen der Langeweile, manche wissen sich dann zu beschäftigen, andere sitzen sie aus und verwandeln sie bestenfalls sogar in einen wohltuenden Müßiggang. Anhaltende oder gar versteckte Langeweile artet bei Kindern jedoch manchmal in einem exzessiven und aggressiven Verhalten aus.



Langeweile ist nicht gleich Langeweile

Zeiten des Leerlaufs und der Nichtbeschäftigung kommen immer vor und müssen nicht zwangsläufig mit Langeweile einhergehen. Zudem kann sie ein vorübergehendes Phänomen sein, wenn Kindern plötzlich ungewöhnlich viel Zeit zur Verfügung steht. Denkbar sind solche Phasen in den Ferien, wenn plötzlich der Unterricht ausfällt oder das Kind eine Zwangspause aufgrund einer Erkrankung hat.



Emotionen erkunden

Wo immer Langeweile in Verbindung mit heftigen Emotionen auftaucht, sollten Eltern behutsam die Hintergründe erforschen. Natürlich müssen Kinder Emotionen auch aushalten können. Sollte hinter Langeweile jedoch ein ernsthafter Stresszustand stecken, sollte dieser erkannt und das Übel an der Wurzel beseitigt werden. Denn nicht alle Kinder zeigen Anzeichen der Unzufriedenheit sofort, vor allem, wenn sie gelernt haben, Emotionen und Wünsche zu unterdrücken.

Ist ein Kind aus Langeweile aggressiv oder übergriffig, sollte nach angemessenen und sinnvollen Beschäftigungen gesucht werden. Eltern sollten dabei ein Gespür für die wahrhaftigen Bedürfnisse eines Kindes entwickeln.



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Warum Fernsehen und Internet keine Lösung sind

Fehlen Kindern ausreichend soziale Reize, kreative Impulse oder Zugang zu angemessenen Beschäftigungsmöglichkeiten, suchen sie Ersatz. Entertainment durch die bunten Möglichkeiten der virtuellen Welten sind bei Langeweile besonders verlockend. Diese können jedoch schnell zu einer weiteren sozialen Verarmung und zunehmenden Verelendung der eigenen Kreativität führen. Außerdem ist inzwischen hinlänglich erwiesen, dass die massive Informations- und Bilderflut aus den digitalen Medien vom menschlichen Gehirn bei weitem nicht so gut vertragen wird, wie man mancherorts fälschlicherweise annimmt.

 

Dem Menschen wohnt das tiefe Bedürfnis inne, etwas zu erschaffen, sich in die Welt einzubringen und mit der Umwelt in einem befriedigenden Kontakt zu sein. Dieses Bedürfnis jedoch bedarf Zeit und Raum, um sich zu entwickeln. Unsere heutige Unterhaltungs-Gesellschaft bietet diesen kaum noch. Schlimmer, man scheint der Langeweile aktiv den Kampf angesagt zu haben.

Dadurch erlernt das Kind die Fähigkeit nicht, Phasen der Langeweile auszuhalten und in sich zu gehen mit der Frage: Was möchte ich? Was würde mir Freude bereiten? Was kann ich mit den mir zur Verfügung stehenden Mittel anstellen? Wie kann ich mein Langeweile-Problem lösen?

Dieselben Gedankenabläufe sind jedoch Jahre später lebensnotwendig. Nicht umsonst nehmen psychische Störungen immer mehr zu. Unangenehmes auszuhalten und in der Folge Neues entstehen zu lassen, gehören zu den Kernkompetenzen, die jeder Heranwachsende mitbekommen sollte. Je stärker dieser Muskel ist, desto weniger wird ein Mensch aus der Fassung gebracht, wenn in seinem Leben nicht alles nach Plan läuft.



Langeweile als Chance

Beginnen Kinder plötzlich sich mit Dingen und Umständen zu langweilen, zeigen ansonsten aber keine pathologischen Verhaltensauffälligkeiten kann es auch einfach sein, dass sie sich verändert haben. In solchen Fällen, lohnt es sich zunächst einmal zu warten. Vielleicht handelt es sich um ein Kind, das kurz vor einem kreativen Durchbruch steht. Emotionen auszuhalten, beziehungsweise sich intensiv mit ihnen auseinanderzusetzen, kann einen wichtigen Zugang zur eigenen Persönlichkeit und zu neuen Fähigkeiten bieten. Phasen von Nichtstun und Nicht-wissen-was-Tun sollten deswegen nicht gleich als Übel angesehen werden, das Mütter und Betreuer sofort zu beseitigen haben. Soziologen weisen immer wieder auf die Wichtigkeit von Auszeiten hin. Manchmal können Kinder dabei auch richtig gute Ideen generieren. Auch stärkt das Aushalten solcher Langeweile-Phase die Resilienz, Kreativität und das Selbstvertrauen der Kinder.

 

So geschehen vor einigen Monaten, als die Tochter einer Bekannten einen Schulfreund zu Besuch hatte. Die beiden 2. Klässler haben sich schrecklich gelangweilt. Sie wussten in einem Haus voller Spielsachen nicht, was sie mit sich und der Zeit anfangen sollten. Schlussendlich haben sie der Mutter die ‚unaushaltbare’ Situation erklärt und gebeten, ob sie nicht eine Zeit TV schauen dürfen. Zum Glück war die Mutter damit nicht einverstanden. Denn nur 15 Minuten später haben die beiden Kinder begonnen, ein Walt Disney Comic abzuzeichnen. Sie kreierten viele Seiten voller wunderschöner Zeichnungen und das während mehreren Stunden! Welch Verschwendung wäre da ein TV-Nachmittag gewesen!

Wenn meine Kinder sich über Langeweile beklagen, antworte ich immer: „Langeweile ist gut. Ich bin sicher, dass du bald schon auf eine gute Idee kommst, wie du deine Zeit sinnvoll füllen kannst.“ Ausnahmslos finden sie eine Aktivität, mit der sie sich in der Folge mitunter stundenlang beschäftigen.



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Fazit

Ich wünsche mir mehr Kinder, die Langeweile kennen und sich davor nicht fürchten, sondern sich mutig neue Spiel-Ideen ausdenken und dabei ihren Lösungs-Muskel trainieren. Ein, meiner Meinung nach, überlebensnotwendiger Muskel, der, bei guter Gesundheit, auch die Gesellschaft prägen und resilienter machen kann.



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Liebe Grüsse,

Marlise Zweifel





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