Der Waldkindergarten



Der Waldkindergarten oder Naturkindergarten ist eine aus Skandinavien stammende Form des Kindergartens. Im Waldkindergarten erhalten Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren eine Ausbildung, Schulung und Betreuung. Die meisten Veranstaltungen finden hauptsächlich in der freien Natur, außerhalb fester Gebäude statt.



Bedingungen

Der Waldkindergarten wird oft als "Kindergarten ohne Wände und Dächer" bezeichnet. Der Hauptunterschied zu gewöhnlichen Kindergärten existiert darin, dass die Kinder fast vollständig außerhalb von Gebäuden betreut werden. Zum Beispiel im Wald, auf einer Wiese oder am Strand. Outdoor-Aktivitäten finden bei jeglichen Wetterbedingungen statt. Einschränkende Maßnahmen gibt es nur bei Wetteranomalien, die eine sichere Präsenz im Freien nicht möglich machen. In der Schweiz ist ein beheizter Raum in angemessener Nähe zur Waldzone erforderlich, in dem Erzieherinnen und Kinder bei sehr schlechten Wetterbedingungen Schutz, Wärme und Unterkunft vorfinden müssen. Dazu dient ein warmer Wohnwagen oder eine Waldhütte. Im Waldkindergarten wird auf kommerzielle Spielzeuge verzichtet. Die Kinder spielen mit natürlichen Gegenständen, die sie im Wald finden. Die festgelegte Größe der Gruppe für einen Waldkindergarten beträgt 15 bis 20 Kinder mit mindestens zwei staatlich anerkannten KindergärtnerInnen. Waldkindergärten sind ansonsten gewöhnliche Kindergärten, in denen Kinder ausgebildet und begleitet werden. Der reguläre KG-Lehrplan gilt auch für Waldkindergärten. Außerdem können sie dort ihre Natur- und Umweltkompetenzen trainieren.

 

Der Waldkindergarten finanziert sich aus staatlichen Zuschüssen, Spenden und Beiträgen der Eltern. Öffentliche Subventionen variieren von Kanton zu Kanton. Manchmal leiten Pädagogen selbstständig einen Waldkindergarten und schließen privatrechtliche Verträge mit den Eltern ab. Viele Gemeinden in der Schweiz wünschen sich einen Waldkindergarten, aber die kantonalen Bedingungen sind unterschiedlich und zumeist streng. Verschiedene Konzepte der Waldkindergärten wurden beispielsweise in Kölliken, Magden, Windisch und Zofingen von dem Departement für Bildung, Kultur und Sport genehmigt. In der Schweiz sind entsprechende Weiterbildungsmassnahmen von der Mehrwertsteuer befreit.



Der Einfluss auf die Entwicklung der Kinder

Derzeit gibt es eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit den Wirkungen, Vorteilen und den Möglichkeiten der Waldkindergarten-Pädagogik befassen. Tägliche Outdoor-Aktivitäten tragen zur positiven Entwicklung der motorischen Fähigkeiten und der Wahrnehmung des Kindes im Bereich der Grob- und Feinmotorik, der Koordination, der taktilen Wahrnehmung und der Sensibilitätstiefe bei. Kinder, die einen Waldkindergarten besuchen, sind ebenso gut auf den Schulbesuch vorbereitet wie Kinder, die einen regulären Kindergarten aufsuchen. Sie werden in den meisten Bereichen positiver bewertet. Kinder sind im Waldkindergarten gesünder, unfallärmer und sicherer. Da in den meisten Waldkindergärten keine herkömmlichen Spielzeuge mit „vorgeschriebener“ Bedeutung verwendet werden und Kinder mit natürlichen Gegenständen spielen, wirkt sich die Pädagogik in der Natur auch auf die Sprachentwicklung aus, da Kinder häufiger mündliche Informationen über die Bedeutung von Dingen und Spielgegenständen austauschen. Kinder und Betreuer sind im Allgemeinen weniger Lärm ausgesetzt als auf engstem Raum in einem Stadtkindergarten. Herkömmliche Kindergärten haben einen höheren Geräuschpegel und bewirken damit ein höheres Stressniveau für KindergärtnerInnen und Kinder. Es wurde auch eine positive Wirkung auf das Immunsystem festgestellt.

 

Ein weiterer Effekt der Erziehung in Waldkindergärten: Da immer mehr Waldkindergärten entstehen, sowie Diskussionen und Veröffentlichungen zu diesem Thema publiziert werden, nehmen immer mehr reguläre Kindergärten Waldprojekte, Waldtage oder Waldwochen in ihr Programm auf.



Es gibt aber auch Nachteile

Mit der Verbreitung von Zecken in der Schweiz, Deutschland und Österreich haben Waldkindergärten etwas an Beliebtheit verloren, weil Krankheiten wie Lyme-Borreliose, durch Zecken übertragener Enzephalitis, Babesiose, Ehrlichiose oder Rickettsiose im Wald lauern.



Tagesablauf im Waldkindergarten

Am Morgen warten die KindergärtnerInnen am Waldrand auf die Kinder. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in den Wald, wo sich alle auf den Morgenkreis vorbereiten. Nach der Begrüßung stellt ein Kind eine Kerze in die Mitte des Kreises. Sie singen und zählen die Kinder und wiederholen die "Waldregeln". Dazu gehören: nichts essen, also keine Beeren, Pilze, Insekten oder Tiere. Niemand rennt so weit, dass ihn die Erzieherinnen nicht mehr sehen können. Natürlich ist Schubsen und Schieben und das Laufen mit Stöcken nicht erlaubt.

 

Danach erobern die Kinder "ihren" Wald. Hier dient eine Schlammrinne als Rutsche und ein umgestürzter Baum als Eisenbahn, Werkbank oder Küche. Werkzeuge wie Sägen oder Schnitzmesser werden verwendet. Manchmal kommt Teig, Farbe oder eine Hängematte zum Einsatz. Alles, was in die Natur transportiert wird, ist im Karren und in den Kinderrucksäcken aufbewahrt. Alles passiert draußen - daher finden sich eine Klappschaufel, Waschwasser und heißer Tee für die Snacks im Gepäck.

 

Mit dem Einkaufen im Laden (einer kleinen Waldhütte), der ganzen Aufregung um die "Ritterburg" (einer Gruppe von Baumstümpfen auf einem Hügel) und dem Kneten von Lehm vergeht die Zeit sehr schnell. Die Kinder setzen sich alleine oder in der Gruppe kreativ mit den gefundenen Dingen auseinander und spielen mit ihnen. Beim Feuer können die Kinder etwas zum Znüni bräteln. Einige genießen die Aussicht vom Hügel, die Vögel und Bäume oder das Bad im Herbstlaub. Die KindergärtnerInnen helfen den Kindern, zur Waldtoilette hinter einem Busch zu gelangen. Zum Beispiel haben sie auch ein Aufgabenbuch, das oft verwendet wird. Regelmäßig werden die Kinder gezählt.

 

Neben dem Freispiel gibt es immer eine gemeinsame Aktivität, die von den KindergrärtnerInnen geplant wurde. Dann werden Lager gebaut, Geschichten erzählt, neue Waldgebiete erobert, Laternen gemacht oder Lieder gesungen. Vor dem Frühstück fangen die Kinder an, sich die Hände zu waschen. Dies ist als Hygienemaßnahme erforderlich, um eine Infektion zu vermeiden. Auf Thermokissen wird zusammen gegessen, was zu Hause eingepackt wurde. Auf Wunsch der Kindergartenleitung ist ein gesundes Znüni eindeutig zu bevorzugen.

 

Vor dem Verlassen des Waldes fragen die KindergärtnerInnen die Kinder im Abschiedskreis, was diese mögen oder nicht mögen. Müde, verschmutzte und glückliche Kinder werden von ihren Eltern nach Hause gebracht.

 

Da die Kinder normalerweise im Freien sind und ihre Sinne prägen, ist ihre Kleidung ein wichtiger Bestandteil der Ausrüstung. Bei Kälte benötigen Sie mehrere Schichten Bekleidung, austauschbare Handschuhe und Strümpfe. Bei schlechtem Wetter sind Gummistiefel, Matschhosen und ein Regenhut angesagt. Als Schutz vor Zecken und Mücken sind im Sommer Oberteile und Hosen mit langen Ärmeln sowie strapazierfähige Schuhe und Hüte gefragt. Motto: "Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung."

 

Zusätzlich zur wetterfesten Kleidung trägt jedes Kind einen Rucksack, in dem Tasse, Snacks, ein Regenmantel, austauschbare Kleidung und ein Sitzkissen aufbewahrt werden und genügend Platz für Fundstücke vorhanden sein sollte.

 

Natürlich befinden sich im Korb nicht nur Spielzeug und Werkzeuge, sondern auch ein Mobiltelefon, ein Erste-Hilfe-Kasten, Waschwasser, heißer Tee und Umkleidesachen. Bei sehr schlechtem Wetter, also besonders eisigen, regnerischen oder stürmischen Bedingungen, hat jeder Waldkindergarten einen Rückzugsort, der schützt und beheizt wird. Zum Beispiel kann dies ein Bauwagen mit Stühlen, Tischen und Bastelmaterial sein. Im Sommer kann auch ein großes Rund-Zelt verwendet werden.



Waldkindergärten gegenüber regulären Kindergärten

Die Lage des "Waldes" ist ein wichtiger Unterschied zum Regel-Kindergarten. Der Wald, in dem der Waldkindergarten angeboten wird, kann mehrere Kilometer vom Wohnort entfernt sein, was ein Bringen und Abholen mit dem Auto nötig machen kann. Damit fällt der so oft als wichtig gepriesene Schulweg weg. 

 

Des Weiteren liegt der Unterschied im täglichen Ablaufplan des Waldkindergartens. Die Schaffung eines Waldkindergartens in der Schweiz basiert auf der Beteiligung von Eltern und KindergärtnerInnen und ist oft nicht einfach. Zum Beispiel wird der Waldkindergarten manchmal nicht als Bereicherung und Ergänzung eines kommunalen oder staatlichen Angebots angesehen, sondern als „Konkurrent“. Oft müssen die Eltern den Waldkindergarten selber oder mit-finanzieren, weil das Angebot nur niedrige oder gar keine Zuschüsse erhalten vom Kanton oder der Gemeinde.

 

Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass im Waldkindergarten das Engagement von Kindergartenleitung und Eltern in der Regel überdurchschnittlich ist. So zum Beispiel bei manuellen und schweren Arbeiten oder der Organisation von Festen und Veranstaltungen.








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Liebe Grüsse,

Marlise Zweifel





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